SV Thüringer Farbentauben

Rasse des Jahres im Sonderverein:

Thüringer  Mondtaube

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonderverein Thüringer Farbentauben
Sonderverein Thüringer Farbentauben 

Thüringer Schwalbe

Herkunft und Entwicklungsgeschichte

 

 War die glattköpfige und glattfüßige Schwalbe die Vorgängerin aller Schwalbentauben und Flügeltauben? Neumeister geht 1876 nicht auf glattfüßige Schwalben ein. Bei der Gründung des Clubs der Flügel-, Schild- und Schnippentauben von 1900, vorbereitet ab 1895, weist Lützelberger ausdrücklich daraufhin, dass die Schwalben- oder Feetauben schnippig und glattfüßig zu sein haben.

 

Dass es Schwalben vollplattig zu dieser Zeit schon gegeben hat, lässt sich aus der Chronik des Landesverbandes Thüringen entnehmen, Zaubitzer schreibt: ,,Für ein Paar vollplattige rote Schwalben wurden in den Taubenhändlerstuben, neben den Taubenmärkten, um 1800 zwischen drei bis fünf Taler gefordert und bezahlt“. Wie es auch sei, es muss schon zu dieser Zeit glattfüßige Schwalbentauben gegeben haben. Zurth berichtet, dass die Schwalben seit Ende des 17.Jahrhunderts in den Dörfern des Thüringer Waldes bekannt waren. Da Neumeister die Nürnberger Schwalbe mit kurzen Latschen und die Schlesische Schwalbe glattköpfig und belatscht beschreibt, lässt sich daraus schließen, dass es eine glattfüßige Schwalbe schon gegeben hat. Neumeister beklagt schon einen Rückgang der glattköpfigen Schwalben. Nach mündlichen Überlieferungen sollen 1920 die kappigen Thüringer Schwalben anerkannt worden sein. Dies war scheinbar kein offizielles Anerkennungsverfahren, denn der Sonderverein (Club) meldete zu den damaligen Nationalen eine sogenannte ,,Garantieklasse" und erst danach wurde die Musterbeschreibung beantragt. Man kann auch heute nicht mehr genau feststellen, von welchem Sonderverein (Club) die Thüringer Schwalbe in den Anfangsjahren betreut wurde. Da Hans Weissbach ab 1937 1. Vorsitzender des SV der Seltenen Thüringer Farbentauben wurde und hauptsächlich Schwalben gezüchtet hat, kann vermutet werden, dass sie in seinem SV angesiedelt waren. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Thüringer Schwalbe glattköpfig und mit Rundhaube offiziell von diesem Sonderverein betreut. Im Stammland Thüringen waren die Glattköpfigen und die Kappigen etwa gleichstark vertreten, in anderen Regionen Deutschlands, so in Sachsen und Hessen, erfreuten sich die Kappigen einer deutlich größeren Beliebtheit. Auf den Ausstellungen in diesen Gebieten waren die Glattköpfigen höchstens mit 10% vertreten. Heute beträgt der Anteil der Glattköpfigen erfreulicherweise ca. 25%.

 

Rassemerkmale, Farben, Zuchtstand und Verbreitung

 

 Die Thüringer Schwalbe verkörpert eine kräftige Feldtaubengestalt, dabei wirkt die Glattköpfige etwas eleganter, weil hier zur Blutauffrischung öfters Flügeltauben eingekreuzt werden.

 

 Die Kappige hat einen breiten Schädel, damit die federreiche und volle Rundhaube Platz findet, sie soll den Scheitel deutlich überragen. Die Folge ist, dass die Tauben mit breitem Kopf im ganzen Körper etwas wuchtiger wirken. Die waagerechte Haltung ist Voraussetzung, damit die erwünschte volle Brustpartie zur Geltung kommt. Der Rücken ist leicht abfallend. Der Hals ist mittellang, kommt kräftig aus dem Körper und verjüngt sich nach dem Kopf hin bei guter Auskehlung. Ein länglicher, gut gerundeter Kopf mit ansteigender Stirn und Schnabelwinkel verleiht der Schwalbe Adel und ist der erste Blickpunkt. Sie ist glattköpfig oder hat eine breite, volle und immer freistehende Rundhaube, die seitlich in gleichhohen, etwa in Ohrenhöhe sitzenden Rosetten endet.

 

Die Haube darf auf keinen Fall aufliegen oder im Nackengefieder einen Querscheitel zeigen. Auf festes und geschlossenes Nackengefieder muss stets geachtet werden, diese Eigenschaft setzt sich in der Zucht oft hartnäckig durch. Das Mantelgefieder ist fest anliegend und die zwölf Schwanzfedern sind gut geschlossen. Die Schwingen sollten das Schwanzende nicht erreichen. Schmalzkiele sind gestattet, werden aber nicht zwingend gefordert. Der Unterschnabel ist bei allen Farbenschlägen hellhornfarbig, bei den roten und gelben Farbenschlägen ist es auch der Oberschnabel. Bei den Schwarzen und den Blauen mit Unterfarben ist der Oberschnabel schwarz. Einen dunkelhornfarbigen Oberschnabel haben die Blaufahlen und alle Verdünntfarbigen. Die Schnabelwarze ist wenig entwickelt und immer weiß gepudert. Das Auge ist stets dunkel, liegt in der Kopfmitte und wird von einem schmalen fleischfarbigen bis roten Augenrand umgeben. Die Krallenfarbe ist ohne Bedeutung. Die Flügelzeichnung kommt der Flügeltaube gleich. Farbig ist der gesamte Oberkopf auch Kopfplatte genannt. Von der Schnabelmitte durch das Auge oder dicht unter dem Auge in gerader Linie bis zum Hinterkopf oder bei den Kappigen bis in die Kappe verläuft der sogenannte Kopfschnitt. Das Haubenfutter muss weiß sein, allerdings sind kleine weiße Stellen hinter dem Auge fehlerhaft. Ein farbiges Schnörchen vor dem Auge ist bei den Thüringer Schwalben verpönt, es gehört zu den Nürnberger Schwalben. Das übrige Gefieder ist weiß; farbige Schenkel stören das Gesamtbild und sind fehlerhaft.

 

Die Thüringer Schwalben sind in 26 Farbenschlägen anerkannt. Das Paradepferd waren die kappigen schwarzen Schwalben, sie haben aber stückzahlmäßig in den letzten Jahren nachgelassen. Neben der lackreichen Farbe zeigen sie wuchtige, freistehende Hauben, leider aber, durch die mächtige Haube bedingt, etwas loses Nackengefieder und in der Abwehrstellung die Anlage zum Blaswerk. Wir wollen hoffen, dass es mit dem schwarzen Farbenschlag in der Stückzahl bei Ausstellungen bald wieder aufwärts geht.

 

Beim roten und gelben Farbenschlag gibt es durchweg lackreiche Farben, nur die Rundhauben könnten teilweise größer und ausgeprägter erscheinen. Auch eine breitere Zuchtbasis wäre für diese beiden Farbschläge wünschenswert. Der Unterflügel soll bei den Lackfarbigen gut durchgefärbt sein, vereinzelt vorkommende weiße Federchen werden nicht bestraft, aber deutlich sichtbare Kahlstellen werden moniert. Bei allen anderen Farbschlägen, auch bei den lackfarbigen Weißbindigen und Weißgeschuppten ist die Unterflügelfarbe ohne Bedeutung. Stark verbreitet und sich großer Beliebtheit erfreuend sind die Blauen mit und ohne Binden sowie die Blaugehämmerten. Sie zeigen fast alle eine zarte einheitliche Farbe, dunklen Schwung und lange, getrennte Binden. Es sollte immer darauf geachtet werden, dass die Schwingen gut durchgefärbt sind und dass sich bei den Gehämmerten kein Rost einschleicht. Erfreulich, dass über 50 Blaugehämmerte auf der Hauptsonderschau im Januar 2005 in Wilsdruff/Sachsen vorgestellt wurden. Den blaufahlen Farbenschlägen will der Durchbruch einfach nicht gelingen, sie sind leider nur in kleiner Stückzahl vertreten. In den Farbenschlägen Rot- und Gelbfahl sowie Rot- und Gelbfahlgehämmert haben in den letzten Jahren fünf Züchter Erfreuliches geleistet und Tiere in einer beachtlichen Qualität vorgestellt.

 

Mit der Deutschen Einheit 1990 wurde der bis dahin sogenannte Farbenschlag Marmoriert endlich sortiert und den Farbenschlägen Blau-Broncegeschuppt und Blaufahl-Sulfurgeschuppt zugewiesen. Die Schuppung hat einen schwarzen bzw. dunklen Saum. Damit war der marmorierte Farbenschlag neu und richtungsweisend definiert. Durch einen Einspruch wurde später noch der Farbenschlag Blau-Rosageschuppt in diese Palette mit aufgenommen. Diese Tauben sind weißgeschuppt und zeigen eine rötliche Einlagerung in der Schuppung. Die Farbenschläge Weißbindig und Weißgeschuppt bleiben bei den Thüringer Schwalben eine große Seltenheit und sind auf den Ausstellungen kaum anzufinden.

 

In sämtlichen anerkannten Farbenschlägen sind auch die Glattköpfigen zugelassen. Sie wirken eleganter, der Kopf braucht nicht die Breite wie bei den Kappigen. Da die Flügeltauben, die häufig eingekreuzt werden, sowieso eine schmale Flügelzeichnung haben, überträgt sich dieser Vorteil auch auf die glattköpfigen Schwalben. Die geforderte runde Hinterkopfzeichnung ist eine besondere Schwierigkeit und wird durch die Flügeltaubeneinkreuzungen negativ beeinflusst. Diese Tiere zeigen oft eine zu kurze Kopfzeichnung. Die Schwarzen sind relativ stark verbreitet, Rote dagegen sind eher selten und Gelbe sind kaum zu sehen. Die Blauen mit ihren Unterfarben sind in guter Qualität stark vertreten. Neuerdings werden auch Blaufahle mit Unterfarben und Rotfahle vorgestellt. In der Farbqualität sind sie den Kappigen ebenbürtig.

 

Anfang des 20. Jahrhunderts hat die Flügeltaube den Schwalben den Rang abgelaufen und die Nürnberger Samtschwalben waren wohl wegen ihrer satten Farbe und des feurig roten Augenrandes (Feuer) anziehender und dadurch stärker verbreitet. Die Glattfüßigkeit der Thüringer Schwalbe hat in der heutigen Zeit wieder für eine breitere Zuchtbasis gesorgt. Auf der 90-jährigen Jubiläumsschau 2000 in Plaue/Thüringen wurden stattliche 480 Thüringer Schwalben bei einer Gesamtzahl von 3200 Thüringer Farbentauben ausgestellt. 244 Schwalben, davon 60 Glattköpfige in insgesamt 16 Farbenschlägen wurden auf der letzten Hauptsonderschau im Januar 2009 in Basleben/Sachsen-Anhalt präsentiert. 2010 feiert unser SV sein 100-jähriges Jubiläum und wir rechnen anlässlich unserer Jubiläums-Hauptsonderschau in Leimbach/Thüringen im Januar 2011 mit einem neuen Ausstellungsrekord, denn Leimbach liegt im Herzen der Thüringer Schwalbenzucht. Die Thüringer Schwalbe ist eine temperamentvolle und rassige Taube, was sich im Freiflug sehr vorteilhaft auswirkt. In der Volierenhaltung gewöhnt sie sich sehr schnell an ihren Pfleger. Die Rasse ist äußerst vital, anspruchslos und sehr fruchtbar. 

 

Auf Grund dieser hervorragenden Eigenschaften ist die Thüringer Schwalbe für Jungzüchter bestens geeignet. Man hegt und pflegt diese elegante Taube auch in Nordamerika und im fernen Australien. In der englisch sprechenden Welt bezeichnet man die Flügeltauben und die Schwalben in verschiedenen Regionen noch mit den alten Namen Feen- oder Samtschwalben. Ein Zitat von Edmund Zurth beschreibt sehr eindrucksvoll und mit tiefer Zuneigung das Wesen und die Eigenschaften der Thüringer Schwalben in ihrer Heimat: ,,Ohne den Schwalben in ihrer Thüringer Heimat begegnet zu sein, scheinen sie mir kreatürlich nicht vollkommen vorstellbar. Das Raunen der Berge, plätschernde Bäche und das immer wieder Geheimnisvolle auf den nächtlichen Streifen durch tiefe, rauschende Tannenwälder gehören dazu, wenn sie tagsüber vom kargen Acker in ihre kleinen Behausungen heimfliegen, leicht dahinschwingend und unhörbar aufs altersschwache Dach anfallen“. Ich bin mir sicher, dass diese Perle unter den Farbentauben immer von einer breiten Zuchtbasis getragen wird.

 

Grobe Fehler:

 

Zu schmaler und schwacher Körper, schiefe Rundhaube, farbig durchsetzte Rundhaube, einseitige oder fehlende Rosette, bei Schwarzen und Blauen mit Unterfarben nicht durchgefärbter Oberschnabel, bei Roten und Gelben angelaufener Oberschnabel, bei allen Farbschlägen angelaufener Unterschnabel, Stoppeln an den Füßen, zu kurze oder einseitige Kopfplatte, offenes Herz, weiße Daumenfedern, matte oder unreine Farbe, farbige Federn im weißen Mantelgefieder, Ansatz zur 3. Binde, Bindenansatz bei Hohligen, Rost in den Binden, Schilf in den Schwingen (bei Weißbindigen und Weißgeschuppten nur bei geschlossenem Flügel), rostige Schwingen (bei Bronce- und Sulfurgeschuppten sowie Blau-Rosageschuppten nur bei geschlossenem Flügel), fehlender Bindensaum bei blaufarbigen Weißbindigen.

 

Text:    Bernd Herbold

 

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