SV Thüringer Farbentauben

Rasse des Jahres im Sonderverein:

Thüringer  Mondtaube

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonderverein Thüringer Farbentauben
Sonderverein Thüringer Farbentauben 

Thüringer Mondtaube

Rasse des Jahres 2016

 

Die Thüringer Mondtauben

 

Herkunft und Entwicklungsgeschichte

 

Auf alten Bilder aus dem 17. Jahrhundert ist die Mondtaube schon zu finden. In Beschreibungen wurde sie überwiegen in belatschter Form aufgeführt, nur sehr selten sollen auch Glattfüßige vorgekommen sein. Im Prütz wird die Mondtaube als Schweizertaube beschrieben. Man nannte sie auch Ordenstaube, wahrscheinlich wegen des Brustbandes. Als Schlusssatz wird erwähnt, dass die sogenannte Schweizertaube nicht häufig vorkommt, außer in Thüringen, Sachsen und Schlesien. Der Autor schreibt weiter, dass sie in Süddeutschland und in der Schweiz oft ohne Flügelbinde und glattfüßig gezüchtet wird. Aber sie hat einen gelben Mond und wird deshalb auch als Gold- oder Brustelben bezeichnet. Man erwähnte schon damals, dass im Genick keine farbigen Federchen erscheinen dürfen. Die Figur wird als sehr zart beschrieben und man müsse oftmals Einkreuzungen vornehmen, um den Fortbestand zu sichern. Neben dem gelben und rötlichen Halbmond wird auch ein schwärzlicher und taubenhals-schimmernder (wahrscheinlich bläulich) Halbmond genannt. Im Nestgefieder hätten sie noch keinen Mond, dieser zeigt sich erst nach der Mauser. In gleicher Farbe des Halbmondes sind auch die schmalen Flügelbinden. Zusätzlich erwähnt man ein daumenbreites Querband (wahrscheinlich die Schwanzbinde), welches aber in der Farbe heller erscheint. Im Schachtzabel wird der Farbenschlag gelb und rot aufgeführt und es wird erwähnt, dass die Mondtaube fälschlicher Weise auch Schweizertaube genannt wird. Die Schweizertaube ähnelt der Mondtaube, sei nur dunkler in der Grundfarbe und habe einen farbigen Halsring anstatt des Mondes. In der Musterbeschreibung des BDG von 1934 wird die Mondtaube gemeinsam mit einigen seltenen Rassen aufgeführt, die Glattfüßigen gelten als ausgesprochen selten. In diesem Abschnitt wird auch die Schweizertaube beschrieben, sie ist stets glattfüßig und hat eine Spitzkappe. In der Musterbeschreibung von 1959 ist die glattfüßige Mondtaube plötzlich verschwunden, ebenso im Taubenstandard von 1970, hier werden nur Belatschte aufgeführt. Aber die Thurgauer Gelbelmer und Braunelmer werden in dieser Musterbeschreibung geführt, sie haben jetzt wie früher keinen Halsring mehr, sondern auch eine Mondzeichnung. Seit den 80-iger Jahren des letzten Jahrhunderts hat sich vor allem Günter Harz mit den glattfüßigen Mondtauben befasst und sie züchterisch weiter gebracht. Nach der Wende 1990 und der Neufassung der Musterbeschreibung wurde die glattfüßige Mondtaube den Thüringer Rassen zugeordnet und somit hat diese aparte Taube endlich eine Heimat gefunden. Anfänglich wurde der rote Farbenschlag fälschlicher Weise dem braunen Farbenschlag zugeordnet, dies wurde korrigiert und im neuen Standard verankert. Zur Zeit befassen sich ca. 10 sehr interessierte Züchter mit dieser Rasse. Hervorragende Mondtauben sieht man auf dem Hof vom Zuchtfreund Werner Engert in Lindennaundorf bei Leipzig. In jüngster Zeit werden auf den Großschauen sehr gute Tiere von den Zuchtfreunden Matthias Apfel, Maik Löffler, Jürgen Weichold, Peter Laustsen und Johannes Fiedler gezeigt.

 

Rassemerkmale, Farben, Zuchtstand und Verbreitung

 

Die Thüringer Mondtaube verkörpert eine elegante Feldtaube. Nicht zuletzt durch die Einkreuzung der Sächsischen Mondtaube hat die Thüringer an Körperfülle und Brusttiefe gewonnen. Bei der Glattfüßigkeit hat wohl der Thurgauer Elmer Pate gestanden. Der länglich gewölbte Kopf ist immer glattköpfig und soll gut gerundet sein. Teilweise treten Mondtauben auf, die eine zu hohe Stirn zeigen. Der Hals kommt kräftig aus dem Körper, verjüngt sich nach oben und ist unter dem Kopf gut ausgekehlt. Zur Zeit sind noch zwei Augenfarben zugelassen, dunkel und orangefarbig. Der Augenrand ist bei den Gelben hell und bei den Roten grau, er soll aber wenig entwickelt sein, damit er nicht warzig wirkt. Die Schnabelfarbe ist bei den Gelben hellhornfarbig und bei den Roten horn- bis dunkelhornfarbig. Eine feste Flügellage bürgt für eine gute Rückendeckung. Die Schwingen dürfen das Schwanzende nicht erreichen. Die Schwanzfeder soll gut geschlossen sein. Die mittellangen Beine sind immer glattfüßig und die Krallenfarbe ist von untergeordneter Bedeutung. Die Grundfarbe wird schon über Jahrzehnte mit elfenbeinfarbig angegeben, man könnte sie auch mit einer gleichmäßigen Rahmfarbe bezeichnen. Etwas heller oder etwas dunkler ist von geringer Bedeutung, wichtig ist die Gleichmäßigkeit. Beim roten Farbenschlag ist die Grundfarbe naturgebunden dunkler, man kann sie mit dunklem Roggenmehl vergleichen. Blauer Anflug ist mittlerweile bei den Roten verpönt. In beiden Farbenschlägen dürfen der Unterschwanz und die Innenfahnen der Schwingen etwas Farbstoff zeigen. Der Mond der Gelben sollte eine satte goldgelbe Farbe haben und die Binden nach Möglichkeit auch. Beim roten Farbenschlag wird ein sattes braunrot gefordert, die Beine sollten die gleiche Farbe zeigen. Der Mond am Vorderhals wird in der Mitte mit ca. 3cm Breite angegeben, er soll seitlich spitz auslaufen. Wichtig ist, dass der Mond nicht bis in den Hinterhals reicht. Auch Unterbrechungen und Lücken sind fehlerhaft. Die Flügelbinden sollten die gleiche Farbe wie der Mond haben, doch dies ist oftmals noch eine Wunschvorstellung, sie sind häufig zu hell. Tauben mit getrennter Bindenführung und satter Bindenfarbe sind von hoher Qualität. Die elfenbeinfarbige Grundfarbe der Gelben soll vom Kopf bis zum Schwanzende gleichmäßig erscheinen. Satte Mond- und Bindenfarbe bewirkt etwas Farbstoffeinlagerung im Keil-, unteres Schwanzgefieder sowie in den Innenfahnen der Schwingen. Ein großer Mond reicht oftmals bis in den Nacken, dieses Erscheinungsbild sollte vermieden werden. Beim roten Farbenschlag ist die Grundfarbe dunkler, roggenmehlfarbig, sie darf nicht bläulich wirken. Die Farbe des Mondes wird braunrot gefordert, früher hat man sie rot bezeichnet. Vielleicht gab die dunkle Schnabelfarbe den Ausschlag für die Bezeichnung brauner Farbenschlag, denn bei anderen Rassen haben die Roten immer hellhornfarbige Schnäbel. Ebenso verhält es sich mit den braunen Brüstern. Beim roten Farbenschlag ist die Mondfarbe schön satt, dies hat den Nachteil, dass der Farbstoff gerne bis in den Hinterhals reicht, was unschön aussieht und abgewertet wird. Die Binden könnten dagegen oftmals dunkler und besser abgegrenzt sein. Bei satter roter Mond- und Bindenfarbe erscheint auch die gesamte Grundfarbe etwas dunkler. Lästige Begleiterscheinung ist der bläuliche Anflug sowie Farbeinlagerungen im Schwanz und den Schwingen wie bei den Gelben, dies gilt es zu beseitigen. Seit kurzer Zeit sind die gelben Mondtauben auch ohne Binden zugelassen, Maik Löffler brachte sie zur Anerkennung. Auf Sonderschauen sind 20 Mondtauben keine Seltenheit mehr, ein deutlicher Aufschwung wird sichtbar, wobei die Gelben den größeren Anteil haben. Auf der Hauptsonderschau zum 90. jährigem SV-Jubiläum 2000 in Arnstadt standen 15 Mondtauben, 6 Rote und 9 Gelbe. 2010 zum 100. jährigem Jubiläum waren es schon 42, davon 11 Rote, 24 Gelbe und 7 Gelbe ohne Binden. 2015 zur Hauptsonderschau in Seligenstadt/Hessen wurden 34, davon 24 Rote und 10 Gelbe aufgeboten, Gelbe ohne Binden waren nicht vertreten. Mondtauben eignen sich hervorragend für den Freiflug und bringen auch in der Volierenhaltung reichlich Nachzucht, auch das aufwendige Putzen hält sich im Rahmen. Thüringer Mondtauben sind seit 1990 Neuland, hier können sich noch eifrige Züchter Sporen verdienen.

 

Grobe Fehler: Zu schwacher und kurzer Körper, zu dunkler Schnabel bei Gelben, bei Rotäugigen sehr helle Augenfarbe, ungleichmäßige, zu dunkle, bläuliche Grundfarbe, zu kurze Binden, matte, unklare Bindenfarbe, sichtbare 3. Binde, blasser, durchbrochener Mond, stark auslaufender Mond, sichtbare Farbeinlagerungen (Pigmente) im Halsgefieder.

Ringgröße: 8

 

Verfasser: Bernd Herbold

Thüringer Mondtaube

Drei unterschiedliche Zuchtrichtungen sind herkunftsweisend für die Mondtaube. Wurden in Sachsen und Schlesien glattköpfige bzw. rundhaubige Tiere, mit voller Fußbefiederung bevorzugt, so waren es in der Schweiz spitzkappige, glattfüßige Tiere, die Verbreitung fanden.

Die Thüringer Züchter favorisierten einen glattköpfigen sowie einen glattfüßigen Taubentyp. Einw kräftige veredelte Feldtaubengestalt ist all diesen Zuchtrichtungen eigen.

 

Die Thüringer Mondtaube verlangen wir in einem schlichten, pastellfarbigen Federkleid von vitaler, kräftiger Erscheinung mit fast waagerechter Haltung und ausgestattet mit dem Temperament und Flugvermögen der Thüringer Farbentaubfamilie.

 

Der Name Mondtaube leitet sich aus der halbmondförmigen Halszeichnung am Unterhals der Taube ab.

Diese Mondzeichnung soll nach oben und unten scharf abgegrenzt sein, an der breitesten Stelle ungefähr 3cm hoch und doppelt so lang sein und an beiden Enden spitz auslaufen, ohne in den Hinterhals überzugehen. Die Mondfarbe soll durchgehend intensiv braun bzw. gelb sein undsich nicht von der Flügelbindenfarbe unterscheiden.

 

Das bereitet zur Zeit noch einige Schwierigkeiten und nur die wenigsten Exemplare können diese Farbgleichheit aufweisen. Das bedarf bei der Bewertung Fingerspitzengefühl. Wesentlich verbessert hat sich die Begrenuzung dr Mondzeichnung. Nur noch wenige aufgestellte Tiere haben Probleme mit einem farbigen Hinterhalsgefieder. Sollte es dennoch auftreten wird es geahndet in der Mängelspalte. Die Flügelbindne sollen durchgehend, voneinander getrennt und nicht zu breit sein. Auf eine feste und geschlossene Rückenabdeckung sowie ausreichende Kopfrundung muss in der Zucht geachtet werden.

 

Thüringer Mondtauben werden im gelben und braunen Farbenschlag gezüchtet. Die Grundfarbe der Thüringer Mondtaube ist immer elfenbeinfarbig, dunkle wie auch bläuliche Grundfärbung ist verpönt. Nur bei den Täubinnen sind wir in der Bauchfarbe etwas nachsichtig und tolerant.

 

Thüringer Mondtauben sind mit roter und dunkler Augenfarbe zugelassen, wobei die dunkle Augenfarbe dominiert. Mischfarben aller Art gelten als grober Fehler. Die Schnabelfarbe wird im gelben Farbenschlag fleisch- bis hellhornfarbig, bei den Braunen hornfarbig verlangt. Die Krallenfarbe ist ohne Bedeutung.

Seit dem Jahr 2009 sind Thüringer Mondtauben in gelb auch ohne Bindenzeichnung standartisiert. Thüringer Mondtauben können sehr zutraulich werden und zeichnen sich, wie alle Thüringer Farbentauben, durch ihr zuverlässiges Brutverhalten und fürsorgliche Jungtierzucht aus.

 

Text: Matthias Apfel

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