SV Thüringer Farbentauben

Rasse des Jahres im Sonderverein:

Thüringer  Mondtaube

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonderverein Thüringer Farbentauben
Sonderverein Thüringer Farbentauben 

Thüringer Mäuser

Wenn man vom Ursprung der Thüringer Mäusertaube spricht, so muss man ehrlicher Weise zugeben, dass diese imposante Rasse nicht nur im Raum Thüringen, sondern auch in den angrenzenden Zuchtgebieten, besonders in Hessen, erzüchtet wurde.

Bodenständig wurden zu der damaligen Zeit die Rassen anders eingeschätzt und auch zeichnungsmäßig anders entwickelt. In Thüringen wurde der Mönchskopf vorgezogen, während man in Hessen die hochgeschnittenen Tiere bevorzugte. Sie hatten auch teilweise kleine Latschen. Erst nach der Festlegung im Verein der Züchter von Farben- und Trommeltauben mit dem damaligen Vorsitzenden, Herrn Emil Schachtzabel, wurde 1903 eine Musterbeschreibung für Thüringer Weißköpfe, Thüringer Mäuser und Thüringer Weißlätze festgeschrieben und züchterisch untergesetzt.

                               

Von diesem Tag an wurde die Thüringer Mäusertaube klar vom Thüringer Weißkopf getrennt und fand ihre Liebhaber besonders im Thüringer Raum. Dort konnte sie sich dementsprechend entwickeln und verbreiten. Zur Herauszüchtung der Thüringer Mäusertaube wurden Süddeutsche Blassen, Sächsische Pfaffen, Trommeltauben und nicht zuletzt Thüringer Weißköpfe eingesetzt. In der Zucht treten heute noch große Probleme auf, weil die imposante Schwanzzeichnung immer wieder Probleme und Überraschungen hervorbringt. 

 

Die Thüringer Mäusertauben werden vom SV der Züchter Thüringer Farbentauben betreut und haben besonders im schwarzen Farbenschlag einen konstanten Züchterkreis gefunden, der zum Trotz alle züchterischen Rückschläge, die immer wieder zu verzeichnen sind, der Rasse die Treue hält und sie ständig verbessert. Gezüchtet wird die Thüringer Mäusertaube in Schwarz, Rot, Gelb, Blau mit schwarzen Binden, Blau ohne Binden, Blaugehämmert, Blaufahl, Blaufahlgehämmert, Rotgehämmert, Gelbgehämmert, Marmoriert, Rotfahl und Gelbfahl. Die schwarz-gestarteten Tiere wurden in der DDR noch von der SZG Startaubenzüchter betreut. In der BRD gehören die gestarten Mäuser zu den Thüringer Farbentauben und werden vom SV der Züchter Thüringer Farbentauben betreut. Die Thüringer Mäusertaube ist eine farbgrundige Taube mit weißer Kopfplatte, weißem Ober- und Unterschwanz. Der Schwanz erscheint von oben weiß und von unten farbig mit weißem Keil bei geschlossenem Schwanz, aufgrund der farbigen Ohrfedern, die auf alle Fälle gefordert werden sollten. 

 

Mit Ortfedern erscheint die Thüringer Mäusertaube im Flugbild mit einem weißen Schwanz, der schwarz eingerahmt ist. Diese besondere Seltenheit sollte auf alle Fälle gefördert und erhalten werden. Als die SZG seltene Thüringer Farbentauben 1973 in der DDR die Festlegung traf, dass die 1/1 Beortung das höchste Zuchtziel bei der Thüringer Mäusertaube sein muss, waren sich alle Fachexperten und Züchter einig, dass das die weiseste Entscheidung aller Zeiten für die Rasse war. Leider sieht der neue Standard eine solche grundlegende Festlegung nicht vor und lässt so dem Zufall Tür und Tor offen. Die Zeichnung reicht dort vom rein weißen Schwanz bis zu einer Beortung von 2/2. Nach der Auffassung der Experten bringt diese Auslegung keine Vorteile in der Zucht und wird von den Thüringer Züchtern missachtet. Das die genannten Varianten von rein weißem Schwanz bis zu einer Beortung von 2/2 beibehalten werden müssen, ist allen Beteiligten klar. Man sollte aber auf alle Fälle ein höchstes Zuchtziel festlegen, dass alle Züchter anstreben sollten, und das kann nur eine Beortung von 1/1 sein. Der Kopfschnitt wird in der Verlängerung Schnabel-Auge gefordert. Ein solcher Kopfschnitt mitten durch das Auge zeichnet ein besonders hochwertiges Tier aus. Die Farbe der Schwanzfedern ist genetisch mit der übrigen Körperfarbe verbunden und von ihr abhängig. 

 

Bei rein weißer Schwanzzeichnung liegt naturbedingt der Kopfschnitt unter dem Auge und wertet das Tier erheblich ab. Bei einer Beortung von 2/2 hat das Tier Farbstoffüberschluss, der sich im Oberschnabel, der hell sein muss, mit dunklen Stellen besonders im Schnabelwinkel widerspiegelt. Deshalb wurde 1973 in der DDR – nach Anhörung aller Züchter und Preisrichter – vom Zuchtausschuss der SZG festgelegt, dass die 1/1 Beortung das höchste Zuchtziel sein muss. Vorzüglich konnte nur ein Tier bekommen, das die 1/1 Beortung aufwies. Thüringer Mäuser mit 2/2 Beortung oder rein weißem Schwanz konnten höchste Preise erzielen, aber die Höchstnote blieb ihnen versagt. Für Kenner reichte bei diesen Tieren der Kopfschnitt auch nie aus. Die neue Festlegung bzw. Fassung des Standards ist den Mäuserzüchtern in Thüringen unverständlich. Man hätte eine klare Formulierung seitens des Sondervereins erzwingen müssen. 

 

Der Rücken-schnitt der Thüringer Mäusertaube sollte kurz unter der Afterlinie gerade verlaufen. Zu lange farbige Rücken bringen die Züchter in Schwierigkeiten, da bei dieser Forderung neben den zulässigen farbigen Ohrfedern weiter bunte Schwanzfedern auftreten und besonders die Schwanzdeckfedern bunt erscheinen. Diese Federn werden dann weggeputzt und der Schwanz ist nicht mehr vollständig. Das dunkle Auge im weißen Feld soll möglichst mit einem roten schmalen Augenrand umgeben sein. Die hochangesetzte Muschelhaube endet mit beiderseitig gleich hoch angesetzten Wirbeln. Auf besonders glatte Füße ist Wert zu legen, da durch bestimmte Einkreuzungen immer wieder Stoppeln vorhanden sind.

 

Vitalität erhalten

 

Um die Vitalität der Thüringer Mäuser zu erhalten bzw. zu steigern, kommt man ohne Einkreuzungen anderer geeigneter Rassen nicht aus. Die Zuchtbasis ist so eng, dass alle vorhandenen Tiere miteinander verwandt sind. 

 

Der Austausch von Zuchttieren wurde auch schon vor der Einheit unseres Vaterlandes in großen Massen durchgeführt, entgegen den Festlegungen des SED-Regimes. Alle vorhandenen Mäusertauben stammen aus dem Stammland Thüringen. Wenn man Einkreuzungen vornimmt, sollten sie immer einen Zweck erfüllen. Der erste Grundsatz ist, das beste vorhandene Tier der Thüringer Mäuser, das auch die Zeichnung konstant vererbt, zur Kreuzung einzustellen. Sollen der Kopfschnitt und die Haube mit Wirbelbildung verbessert werden, würde ich eine Süddeutsche Blasse mit hervorragenden Rassemerkmalen und feinster Farbe einstellen. Schwerpunkt ist hierbei natürlich der farbige Schwanz, der sich hartnäckig vererbt. Sollte man Fränkische Trommeltauben einkreuzen, so würde ich ein weißes Tier einsetzten, weil bei diesem Farbenschlag die Augenfarbe dunkel ist. Man sollte auch ein Tier der alten Zuchtbasis mit Wirbeln verwenden. Natürlich eignen sich auch Thüringer Weißköpfe zur Einkreuzung. Hier sollte man ebenfalls hochgeschnittene Tiere mit kleinen Latschen, aber feinster Farbe verwenden.

Ein alter Zuchtfreund, der in meiner züchterischen Laufbahn eine wesentliche Rolle gespielt hat, prägte den Ausdruck: „Kreuzung ist die Krone der Zucht!“. Ich gebe hierzu meine volle Zustimmung, jedoch nur, wenn die Kreuzung sinnvoll mit Spitzentieren durchgeführt wird und nicht eine irgendeine Kreuzung ist, um nachzuweisen, dass man eine solche durchgeführt hat.

Text: Gerhard Rößling

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